Fernstudium an Business Schools in Asien

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von William Barnes (London)

Bisher haben unerwartete Kosten und eine komplexe Situation den Fortschritt bei Fernstudien gebremst. Diese Mauern könnten jedoch bald fallen.

Sollte es in China ein Online-MBA-Programm geben, wird es erfolgreich unter Verschluss gehalten. Probleme bei Qualität, Akzeptanz, Preis und Verfügbarkeit solcher Programme haben asiatische Business-School-Fantasten ernüchtert, die in Fernstudienangeboten leicht verdientes Geld witterten.

Die intelligenteren Schulen scheinen erkannt zu haben, dass Internetausbildung logistisch anspruchsvoll ist und dem Bedürfnis der Studenten zuwider läuft, sich mit anderen zu messen. Dennoch könnte Asien vor einem Boom bei Online-Business-Schools stehen.

Institute müssen durchstarten

In Indien absolvieren nur sehr wenige Studenten einen Online-MBA oder Ähnliches, aber das wird sich bald ändern – vielleicht schon in wenigen Monaten – denn die Menschen müssen neue Fähigkeiten erlernen, trauen sich aber nicht, dafür Urlaub zu nehmen“, sagt B. R. Natarajan, Leiter des Bereichs Fernstudien am indischen Birla Institute of Technology and Science (BITS). “Wenn die Online-Managementausbildung nicht innerhalb der nächsten 12 Monate durchstartet, machen die Ausbildungsinstitute etwas grundlegend falsch.

Viele Business Schools sind bei Internetlehrangeboten vorsichtig geworden, nachdem sie auf schmerzliche Weise feststellen mussten, dass ernst zu nehmende MBA-Kurse nicht nur aus ein paar Vorlesungsskripten im Internet bestehen.

Online kostet Zeit und Aufwand

Kürzere und stärker spezialisierte Programme zum Beispiel in den Bereichen Rechnungswesen oder Internetmarketing werden dagegen besser angenommen. Agenturen wie U21Global aus Singapur schaffen es auch weiterhin, mit neu zusammengestellten Kursen renommierten ausländischen Universitäten Studenten abzuwerben. Doch anderswo sind viele ehrgeizige Angebote angesichts unerwarteter Kosten und Schwierigkeiten gescheitert.

Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass die Studenten zufrieden sind, wenn man einfach einen Kurs im Internet zusammenbastelt“, sagt Bruce Shortland-Jones, Leiter des Learning Support Network der australischen Curtin University. “Das glaubt heute niemand mehr. Onlineangebote sind heikel, nehmen Zeit der Lehrkräfte in Anspruch, und es entstehen Kosten auf mehreren Ebenen.

Persönlicher Kontakt wichtig

Die Studenten wollen gar nicht alles online erledigen, wie sich herausstellte, und nehmen einiges in Kauf, um Tutoren und andere Studierende zu treffen. “Es ist ganz klar, dass ein gemischtes Lehrangebot der richtige Weg ist“, sagt Natarajan. “Selbst ein noch so gestresster Manager will zumindest ein- oder zweimal im Semester seine Ausbilder und Lehrer treffen.

Ein weiterer Haken besteht darin, dass ein akademisch vollwertiges Online-MBA-Programm dem Anbieter hohe Kosten verursacht, viele Studierende in Asien jedoch nicht bereit oder nicht in der Lage sind, hohe Studiengebühren zu bezahlen.

Den richtigen Mix finden

Viele Brancheninsider sprechen nun von einer “zweiten Phase”, in der die Zahl der Online-Studenten mäßig wächst. Motor für das Wachstum sollen interaktivere Fernstudiengänge sein. Die führenden asiatischen Business Schools dürften abwarten, wie sich die Technologie für Internetkurse entwickelt, bevor sie selbst einsteigen. Das heißt jedoch nicht, dass der Plan aufgeht. Hongkongs City University hat ihren 1999 eingeführten MBA still und heimlich wieder eingestellt, weil die Nachfrage so gering war.

Wenn die asiatischen Ausbildungsinstitute allerdings die richtige Mischung aus Qualität, Glaubwürdigkeit und Preis bieten, könnte das Wachstum bei Onlinekursen enorm werden.

Lernen im Internet als Normalität

Regionen wie China sind anders. Millionen chinesischer Studenten konsumieren schon jetzt Vorlesungen, die im Fernsehen übertragen werden“, sagt Chung Siu Leung von der Business School der Open University of Hong Kong.

Asiens führende Business Schools mögen recht haben, wenn sie davor warnen, dass eine schnelle Verbreitung von Online-Managementabschlüssen einen ähnlich schnellen Verfall der akademischen Qualität mit sich bringt. Dabei würden sie übersehen, dass neue Generationen von Studierenden, die praktisch im Internet leben, eine virtuelle Business School möglicherweise klasse fänden, sagt Ian Fenwick, Gastdozent an der Sasin Business School in Bangkok: “Werden Kinder, die schon mit vier digital kommunizieren, Lernen im Internet nicht völlig normal finden?”

Technologie kann alles verändern. Das Online-Erlebnis wird deutlich besser und billiger werden. Asien könnte uns überraschen“, so Fenwick.

Links: MBA in Europe (Adobe PDF)
MBA in Europe

Quelle: Financial Times Deutschland

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